Schauplatz Landschaft

Der Landschaft zuhören – Die Landschaft zur Sprache bringen

Schwalenberg kann auf eine lebendige Literaturtradition mit den Internationalen Literaturbegegnungen und den Internationalen Autorentagen ab 1992 blicken. Mit seiner lippischen Umgebung, dem Teutoburger Wald und dem Weserbergland ist es eine besondere und reiche Literaturlandschaft mit einer einzigartigen vielgestalteten Kulturlandschaft voller bedeutender geschichtlicher Spuren. Erst mit dem Sprechen verwandelt sich Land zu Landschaft, wird das Land, das es überall gibt, unverwechselbar, individuell, bekommt einen Namen, mit der Benennung eine Geschichte, mit der Geschichte eine Vergangenheit, und wo eine Vergangenheit anerkannt wird, werden Entwürfe für eine Zukunft möglich. Schritt für Schritt tritt Landschaft nach Landschaft hervor, Schicht um Schicht lagern sich in dieser Landschaft Erzählungen ab. Jeder Ort ist ein Buch – durch die Spuren, die Geschichte, menschliche Arbeit, Industrie, Infrastruktur und Kunst/Kultur in ihr hinterlassen haben. Ort im wörtlichen Sinn ist die Speerspitze, er ist ein Schnittpunkt von Linien, er versammelt Dinge, die ihm Sinn geben, er definiert sich nach den Ereignissen, den Vorfällen und Umständen, sie geben ihm einen Namen oder ein Gesicht, die Qualität des Individuellen und Authentischen. Über das Benennen wird der Ort wahrgenommen, gedeutet und kann erkannt / wiedererkannt werden. Orte in der Landschaft schließlich lauten und klingen unterschiedlich. Und so zeigt Literatur, wenn sie von Landschaft spricht, hinter dem konkreten Raum auch den Erfahrungsraum, den Geschichtsraum, den Sprachraum und den Klangraum.

Hören wir der Landschaft zu und bringen das Verborgene in ihr zur Sprache.
Da sind zunächst die bereits vorhandenen literarischen Zeugen der Schwalenberger Umgebung, die ausgewählt in Lesungen vorgestellt werden:
Peter Hille, Annette von Droste-Hülshoff, Cees Nooteboom, Theodor Fontane, Levin Schücking, Karl Philipp Moritz, Friedrich Spee von Langenfeldt.

Da sind die großen historischen Ereignisse, deren Spuren noch in der Landschaft zu erkennen sind: denn keine Landschaft ist unschuldig: die Sachsen-Kriege verwundeten die Gegend, der Dreißigjährige und der Siebenjährige Krieg verheerten die Landschaft ebenso wie die Grenzkämpfe zwischen Lippe und Paderborn bzw. dem Kölner Erzbistum. Da gibt es die mythischen und doch ganz realen Orte wie die Skridroburg und Herlingsburg bei Schieder, die Spuren, die die Hexenverfolgung geschlagen haben, und im Gegenzug die Anklage mit der Cautio criminalis, verfaßt 12 Kilometer von Schwalenberg entfernt. Welche Geschichten ranken sich um die Pranger-Linde in Hagedorn. Und gehen wir noch näher in die Vergangenheit, was sagen die stummen Zeugen von den Judenpogromen, da sieht man noch den Weg, den Aaron aus der ‹Judenbuche› genommen hat. Und oben im Schwalenberger Wald, dem Mörth, liegt heute zum Teil überwuchert, ein Militärstützpunkt für die mobilen Flugabwehrraketen.

Keine Landschaft ist unschuldig, so lange Menschen in ihr leben, aber umgekehrt gilt auch, wo konnten Gefahren gebannt und Grenzen und Begrenzungen aufgehoben werden?

Das Projekt ist mehrteilig.

Frühjahr 2021

Allgemeine Vorrecherchen gemeinsam mit den verschiedenen Vereinen, um ein Materialbündel zu erstellen, das dann im weiteren Verlauf für die verschiedenen Aktivitäten und Aktionen genutzt werden kann.

Sommer 2021

Rechercheaufenthalte von 3 Schriftstellern, die zu Beginn mit Schwalenberger Bürgern über die Geschichte, besondere Ereignisse sprechen. In diesem Zusammenhang: wie sieht eine von Krieg und Gewalt geschundene Landschaft aus (gemeinsam mit Forum Anja Niedrighaus), Exkursionen mit den Experten zu bestimmten markanten oder auch vergessenen, verborgenen Orten in der Landschaft

Schauspieler/Sprecher lesen literarische Texte zur Schwalenberger Landschaft

Freier Arbeitsaufenthalt der 3 Schriftsteller auf geschichtlichen Spuren in der Landschaft mit dem Ziel, einen literarischen Text zu erarbeiten, eine Art von literarischer Tiefenbohrung.

Literarische Erkundungen im Gelände für VHS-Interessenten

Literarische Erkundungen und Workshop mit Schülern

Herbst 2021

Lesungen der entstandenen Auftragsarbeiten

Publikation der Texte

 

Gefördert von NRW Stiftung, LWL Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Lippe-Impuls Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe sowie aus dem Programm ‹Und seitab liegt die Stadt› der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Literarischen Colloquiums Berlin