Aus dem Wort kommen

Was prägt uns und macht unsere Herkunft aus? Ist Herkunft ein Ort, ist sie eine Zeit? Herkunft ist mit vielen Heimaten verbunden, mit unsichtbaren Wurzeln, in das kulturelle Erbe sind viele Einflüsse eingegangen. Das Wort selbst zeigt, dass man von irgendwoher kommt, etwas mitbringt an einen Ort, an dem man nicht ein Eingeborener, sondern ein Fremdling ist. Dennoch: Es ist zuallererst die Sprache, in der wir lernen, die Dinge zu benennen, uns auszudrücken, zu verständigen, und in der wir nachdenken und träumen. Es sind die Eindrücke aus der nächsten Umgebung, es sind die Geschichten, die erzählt wurden, und die Geschichte, die eine Kultur schreibt, die selbst ein Ergebnis von Wandlungen ist – man sollte sie alle kennen, um Neuland zu gewinnen.

«Aus dem Wort kommen» konzentriert sich auf die Sprache. Historische, landschaftliche, architektonische und archäologische Besonderheiten in Schwalenberg und Umgebung werden erkundet und mit literarischen Texten, von Schriftstellern gelesen und von Schauspielern vorgetragen, verknüpft.

Hier unser aktuelles Programm als PDF: Herbstprogramm 2021

Bevorstehende Veranstaltungen:

 

Häuser lesen
Vilém Flusser: Wohnung beziehen in der Heimatlosigkeit.
Heimat und Geheimnis – Wohnung und Gewohnheit

Der Migrant und Philosoph Vilém Flusser (1920 – 1991) verbrachte sein Leben an unterschiedlichen Orten und in einer Pluralität von Sprachen. Als immer wieder Auswandernder und immerzu Übersetzender trägt er in diesem Text existenzielle, autobiographische, zeitgeschichtliche und theoretische Gedanken zu einem kommenden Wohnen in der Heimatlosigkeit zusammen.
‹Zuerst will ich, so scharf wie möglich, zwischen Heimat und
Wohnung unterscheiden, wobei ich mir peinlich bewußt bin,
mit der deutschen Sprache spielen zu müssen.›
Nach der Lesung begeben wir uns auf einen Spaziergang durch die Schwalenberger Altstadt und lesen die Inschriften auf den Fachwerkhäusern. Wer hat hier einmal Wohnung bezogen? Was sagen die Inschriften über die Gewohnheiten der Menschen, welche die Häuser errichteten? Und wie verhalten sich die Inschriften zu den Gewohnheiten derjenigen, die heute hier wohnen?

am 23. Oktober 2021 um 15:00 Uhr, Lesung, Spaziergang und Gespräch mit Seda Tunc und Helmut Ege

im Werkhaus, Marktstraße 19, Schwalenberg

Der Eintritt ist frei, eine Spende ist gewünscht, Anmeldung unter reservierung@eu-lab.de
und 0 52 84 / 9 43 94 73

Gefördert durch Bürgerstiftung Schwalenberg und Heimat-Scheck des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW

 

Alte Wege lesen
Robert Macfarlane: Alte Wege

‹Die alten Wege sind gespickt mit Geschichte, egal ob sie römisch sind oder neolithisch oder 19. Jahrhundert. Aber was ist gegenwärtiger als Vogelgesang oder das Wetter?! Das ist diese merkwürdige Dopplung beim Gehen auf alten Wegen. Auf der einen Seite wiederholen Sie etwas, das tausende Male zuvor bereits getan wurde, manchmal auch tausende Jahre zuvor; aber zugleich leben Sie in dieser unglaublich vibrierenden Gegenwart. Manchmal habe ich den Verdacht, in einer Schattenwelt dahinzutreiben.› Robert Macfarlane, 1976 in Nottinghamshire geboren, lehrt Literaturwissenschaft in Cambridge, ist Essayist und Kritiker und gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writing.
Buchenwälder, sanfte Wiesenhänge, kleine Bäche kennzeichnen die
Landschaft um Schwalenberg. Pfade, alte Hellwege, Pilgerwege,
Hohlwege durchziehen die Wälder. Dorthin wandert man nach der
Lesung. Wohin die Wege führen, was sie zeigen und berichten, das
erläutern der Förster Friedrich Schierholz und Heike Kreienmeier.

am 24. Oktober 2021 um 11:30 Uhr, mit Anna Eble, Annegret Kulms und Max Simonischek

im Werkhaus, Marktstraße 19, Schwalenberg

Für die Wanderung können Sie ein Lunchpaket zu 5 € bestellen.
Der Eintritt ist frei, eine Spende ist gewünscht.
Anmeldung unter reservierung@eu-lab.de
und 0 52 84 / 9 43 94 73

Gefördert aus dem Programm ‹Und seitab liegt die Stadt›, durch die Bürgerstiftung Schwalenberg, Lippe Impuls, Sparkasse Paderborn-Detmold

     

 

‹Futur II›

Sich in verschiedenen Zeiten, Räumen und Kulturen aufzuhalten, dabei Personen und Figuren neu zu justieren und ‹upzucyclen› – auswandern und einwandern, gehen, zurückkehren, bleiben – das sind verbindende Elemente in den Debüts von Natascha Gangl und Franziska Füchsl. Dabei werden fremde Sprachen eingewebt und verschwundene Wörter eingesammelt. Mit sprachlichen Mitteln aus Dorf, Landschaft und Reiterhof-Idylle arbeiten die Autorinnen und erfinden dabei das ländliche Leben unerwartet neu. Es sind Bücher der Abstände, der Heimaten in Abständen, in denen Grenzen und Zonen überquert werden; mit einer utopischen, traumhaften, märchengleichen Wendung: ‹Und wer gestorben ist, der lebt noch heute.›

tba, mit Anna Eble, Franziska Füchsl, Natascha Gangl und Peter Waterhouse

 

Vergangene Veranstaltungen dieser Reihe:

Jürgen von der Wense: Wanderjahre
am 15. August 2020, mit Daniel Berger, Brigitte Labs-Ehlert und Rainer Niehoff

Näpfchensteine im Bennerwald – Was der Stein spricht
am 12. September 2020, mit Heikko Deutschmann, Maria Schubarth und Elke Treude

‹Die zwei Brüder› von Jacob und Wilhelm Grimm
Dezember 2020, Lesefilm mit Lilith Stangenberg, von Konrad Hempel | Institut für experimentelle Angelegenheiten (auf Vimeo ansehen)

‹Taghaus, Nachthaus› von Olga Tokarczuk
Dezember 2020, Lesefilm mit Marina Galic, von Konrad Hempel | Institut für experimentelle Angelegenheiten (auf Vimeo ansehen)

 

«Aus dem Wort kommen» wurde in der Reihe Und seitab liegt die Stadt als eines von 36 Projekten ausgezeichnet. Die Veranstaltungen im Jahr 2020 wurden getragen von:

               

 

Wir danken: