Aus dem Wort kommen

Was prägt uns und macht unsere Herkunft aus? Ist Herkunft ein Ort, ist sie eine Zeit? Herkunft ist mit vielen Heimaten verbunden, mit unsichtbaren Wurzeln, in das kulturelle Erbe sind viele Einflüsse eingegangen. Das Wort selbst zeigt, dass man von irgendwoher kommt, etwas mitbringt an einen Ort, an dem man nicht ein Eingeborener, sondern ein Fremdling ist. Dennoch: Es ist zuallererst die Sprache, in der wir lernen, die Dinge zu benennen, uns auszudrücken, zu verständigen, und in der wir nachdenken und träumen. Es sind die Eindrücke aus der nächsten Umgebung, es sind die Geschichten, die erzählt wurden, und die Geschichte, die eine Kultur schreibt, die selbst ein Ergebnis von Wandlungen ist – man sollte sie alle kennen, um Neuland zu gewinnen.

«Aus dem Wort kommen» konzentriert sich auf die Sprache. Historische, landschaftliche, architektonische und archäologische Besonderheiten in Schwalenberg und Umgebung werden erkundet und mit literarischen Texten, von Schriftstellern gelesen und von Schauspielern vorgetragen, verknüpft.

Bevorstehende Veranstaltungen:

Vilém Flusser: Heimat und Geheimnis, Wohnung und Gewohnheit

Dem durch die Zeitumstände zum globalen Wanderer gewordenen Philosophen Vilém Flusser (1920–1991) ist Heimat zutiefst suspekt: „Der Mensch ist ein wohnendes, aber nicht notwendigerweise ein beheimatetes Wesen.“ Er untersucht nicht nur die Dinge und Undinge, die Gesten, sondern ist ein Feldforscher der Worte und ihrer Wandlungen. Expedition in die Stadt, Spurensuche in den Hausinschriften. Die Hausinschriften spiegeln die Welt der Menschen, die das Haus errichteten. Sie geben Auskunft über den Bauherrn, seine Profession und über sein Schutzbedürfnis. Der Tür als Schwelle kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

voraussichtlich am 29. Mai 2021, Lesung, Spaziergang und Gespräch mit Seda Tunc und Helmut Ege

Gefördert durch Bürgerstiftung Schwalenberg und Heimat-Scheck des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW

                     

 

Von Pfaden, Gehen und Vorstellungskraft
Robert Macfarlane: Alte Wege

Alte Hellwege, Pilgerwege, Hohlwege durchziehen die Wälder um Schwalenberg. Ein Spaziergang führt in alte Wege, das ist zugleich eine Zeitreise in die Vergangenheit. Welche Spuren zu entdecken sind, was sich auf den alten Wegen zutrug, erläutert ein versierter Heimatforscher. Max Simonischek liest aus dem Buch von Robert Macfarlane Alte Wege. Dieses meisterhafte Buch erzählt vom Gehen als einer Entdeckungsreise ins Innere und davon, auf welch subtile Weise die Landschaften, die man durchquert, den Menschen selbst prägen und formen. Robert Macfarlane ist Essayist und Kritiker und gilt als wichtigster britischer Autor des Nature Writing.

tba, mit Anna Eble, Annegret Kulms und Max Simonischek

 

‹Futur II›

Sich in verschiedenen Zeiten, Räumen und Kulturen aufzuhalten, dabei Personen und Figuren neu zu justieren und ‹upzucyclen› – auswandern und einwandern, gehen, zurückkehren, bleiben – das sind verbindende Elemente in den Debüts von Natascha Gangl und Franziska Füchsl. Dabei werden fremde Sprachen eingewebt und verschwundene Wörter eingesammelt. Mit sprachlichen Mitteln aus Dorf, Landschaft und Reiterhof-Idylle arbeiten die Autorinnen und erfinden dabei das ländliche Leben unerwartet neu. Es sind Bücher der Abstände, der Heimaten in Abständen, in denen Grenzen und Zonen überquert werden; mit einer utopischen, traumhaften, märchengleichen Wendung: ‹Und wer gestorben ist, der lebt noch heute.›

tba, mit Anna Eble, Franziska Füchsl, Natascha Gangl und Peter Waterhouse

 

Vergangene Veranstaltungen dieser Reihe:

Jürgen von der Wense: Wanderjahre
am 15. August 2020, mit Daniel Berger, Brigitte Labs-Ehlert und Rainer Niehoff

Näpfchensteine im Bennerwald – Was der Stein spricht
am 12. September 2020, mit Heikko Deutschmann, Maria Schubarth und Elke Treude

‹Die zwei Brüder› von Jacob und Wilhelm Grimm
Dezember 2020, Lesefilm mit Lilith Stangenberg, von Konrad Hempel | Institut für experimentelle Angelegenheiten (auf Vimeo ansehen)

‹Taghaus, Nachthaus› von Olga Tokarczuk
Dezember 2020, Lesefilm mit Marina Galic, von Konrad Hempel | Institut für experimentelle Angelegenheiten (auf Vimeo ansehen)

 

«Aus dem Wort kommen» wurde in der Reihe Und seitab liegt die Stadt als eines von 36 Projekten ausgezeichnet. Die Veranstaltungen im Jahr 2020 wurden getragen von:

               

 

Wir danken: